Stroke City – eine Auffrischung in jüngerer Geschichte

Stroke City ist keine Stadt, in der Herzinfarkte (strokes) öfter als anderswo geschehen, sondern der Spitzname der zweitgrößten Stadt Nordirlands, Derry~Londonderry (wegen des Bindestrichs). Man tut gut daran, immer beide Namen gleichzeitig zu nennen, da man nie weiß, auf welcher Seite der angesprochene steht, auf der Seite Englands oder Irlands. 

Wir haben die walled city, wie die Stadt wegen ihrer Stadtmauer auch genannt wird, besucht, um auf besagter Mauer einmal um den historischen Innenstadtkern zu laufen. Was wir nicht erwartet hatten, waren die Einblicke in die jüngste Vergangenheit des Nordirland-Konflikts, der troubles, wie sie hier genannt werden. Solange ist der Friedensschluss mit der IRA noch gar nicht her, man vergisst das so leicht. Erst 1998 wurde das Karfreitagsabkommen zwischen den Regierungen der Republik Irland, Großbritanniens und den Parteien in Nordirland geschlossen. Hohe Zäune, die die miteinander kämpfenden Seiten trennen sollten, stehen immer noch, zerbombte Häuser und Denkmäler wurden nicht wieder aufgebaut. Und verbohrte Anhänger beider Seiten gibt es auch noch, wie wir auf aktuellen Aufschriften auf Häusern lesen konnten.

Wir haben uns über die Ursprünge in einer Ausstellung in der Guildhall informiert. Zurück geht es u.a. auf den Versuch der Besiedelung Nordirlands mit Engländern und Schotten, nachdem Henry VIII auch König von Irland wurde. Die Iren im Lande ließen sich das aber nicht gefallen. So kam es unter Elizabeth I immer wieder zu Aufständen, die mit Gewalt zurückgeschlagen wurden. Unter James I wurde die planmäßige Aufteilung des Landes und Besiedelung mit Engländern und Schotten (the Plantation of Ulster) richtig in Angriff genommen. Praktischerweise gehörte das Land jetzt ja der Krone, da die vorherigen Besitzer als Verräter getötet oder vertrieben worden waren. Es versteht sich eigentlich von selbst, aus unserer heutigen Warte, dass das nicht auf Dauer erfolgreich sein kann.

Mehr als vierhundert Jahre zurück in die Zeit zu gehen, ist für uns weit weg von unserer Relatität heute. Aber an die ständigen Meldungen in der Tagesschau über die neuesten IRA-Bombenangriffe und die Bilder der Staßenschlachten können wir uns schon erinnern. Und natürlich an den Bloody Sunday, nicht zuletzt bekannt bei uns durch den gleichnamigen Song von U2, an dem im Januar 1972 26 unbewaffnete Zivilisten von britischen Soldaten während eines Protestmarsch gegen die Abriegelung der Stadt erschossen wurden. Die Aufklärung dieses „Vorfalls“ dauerte letztlich bis 2010, im Zuge dessen sich der damalige Premierminister Cameron offiziell im Rahmen des United Kingdoms bei den Opfern entschuldigte. Erst daraufhin ermittelte die Polizei wegen Totschlag gegen die beteiligten Soldaten. 

Wir überquerten auch den River Foyle auf der 2011 eröffneten Peace Bridge, um das umgebaute Kasernengelände auf der anderen Seite anzusehen. Aber da Sonntag war, war auf der Seite nichts los und wir gingen wieder zurück über die Fußgängerbrücke, die wirklich sehr schön ist. 

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