Gelände-Kur, Teil 3

Das mit der Kombination zweier Wanderwege ist eine gute Sache, haben wir heute wieder gemacht, diesmal Nr. 18 hoch zum Goethe-Aussichtsturm und dann Nr. 12 hinab zum Hotel. Goethe soll mal gesagt haben, dass er nur in drei Städten gern leben möchte, in Weimar, in Karlsbad und in Rom. Hier in Karlsbad war er jedenfalls sehr oft, wahrscheinlich haben die Stadtväter auch deshalb etliches nach ihm benannt. So eben auch diesen Turm, der auch einen Gaststättenbetrieb hatte, irgendwann mal, aber nicht vor acht Jahren und auch nicht heute, als wir da waren. 

Goethova vyhlídka

Der neogotische Turm wurde 1889 nach Plänen der Wiener Architekten Fellner und Helmer gebaut. Der Anlass war ein Besuch einer österreichischen Prinzessin. Die örtliche Sparkasse feierte im selben Jahr ihr Jubiläum und nutzte den Bau des Turms zu Werbezwecken. Hier muss damals schon eine Menge Geld unterwegs gewesen sein. Die beiden Architekten haben noch zwanzig weitere Gebäude in der Stadt geplant, darunter auch das Grandhotel Pupp, das Kaiserbad und das Theater. Für letzteres waren sie zu ihrer Zeit bekannt in ganz Europa. Zwischen 1870 und 1913 entwarfen sie 48 Theaterbauten, so auch das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. 

Nach dem Temperatursturz von Montag mit 32 Grad auf heute mit nur noch 11 Grad mit Regen haben wir letzteren heute Vormittag im Hotel ausgesessen und lieber gelesen. Aber am Nachmittag war der Regen vorüber und wir brachen auf, mit Regenklamotten und Schirm bewaffnet, blieb aber alles im Rucksack, die Wolken hielten dicht. Auf dem Weg stetig bergan kamen wir an den Drei Kreuzen vorbei, die dort als Symbol der Re-Katholisierung schon seit ungefähr 375 Jahren stehen, allen Zeitläuften zum Trotz. 

Tri kríze
Karlsbad Kurgebiet

Weiter ging’s bergauf, bis wir auf 641 m Höhe am Aussichtsturm ankamen, die höchste Stelle, die man auf den Wanderungen rund um Karlsbad erklimmen kann. Da dort aber nichts weiter zu holen war, gingen wir gleich wieder hinunter in die Stadt, diesmal auf einem wesentlich steileren Pfad durch den regennassen Wald. Danach hatten wir kurtechnisch wieder genügend Kalorien verbrannt. Also ging es hinein in den Supermarkt und wieder hinaus mit leckeren tschechischen Schokowaffeln. So lässt sich die Zeit bis zum Abendessen gut überbrücken. 

alles sehr lecker, Kosten ca. ein Euro
Abschluss des Drei-Gänge-Menüs – dessert


And again, another walking tour around wonderful Carlsbad, even when it rains. Well, it wasn’t while we were walking. Famous German poet Mr Goethe was here several times and he looooved it, the spa, the beer and the nice young ladies he met here. So there are Goethe paths, busts, plagues and, and, and … And a tower on top of the highest hilltop around Carlsbad. The tower was built by a very famous architectural duo, Fellner and Hilmer from Vienna. They built a lot of the very grand places in Carlsbad, but were famous for their theatre buildings all over in Europe. 

Auf zur Diana, wir machen eine Gelände-Kur

Heute haben wir uns aus dem Wanderwegeangebot unseren eigenen Rundweg gebastelt: von der Pestsäule aus die Nummer 13 hinauf zur Diana, die Nummer 17 wieder hinab zum Startpunkt der Funiculaire. Zu viel Insider-Sprech??

Hier kommt der Klartext:

Die Pestsäule, eigentlich die im Barockstil erbaute Dreifaltigkeitssäule, wird so genannt, weil sie 1716 als Dank dafür erbaut wurde, dass Karlsbad von der 1713 in ganz Böhmen wütenden Pest verschont geblieben war. 

Dreifaltigkeitssäule oder auch Pestsäule in Karlsbad

An ihr vorbei führte uns die Wanderwegausschilderung in den Wald hinein. Die Wetter-App sagte zwar Regen und Gewitter vorher, aber irgendwie haben wir das nicht so Ernst genommen und verdrängt. Glücklicherweise sind die ‚Lusthäuser‘, diese kleinen Hütten, in den Wäldern reichlich vertreten, denn gerade als wir eines passiert hatten, begann es ausdauernd zu regnen und zu donnern. 

diesmal ein willkommener Unterschlupf
Blick aus der Hütte auf die Waldandacht im Regen

Wir warteten die Schauer ab, wurden dann noch etwas nass vom Nachregen aus den Bäumen, bis wir dann den Aussichtsturm ‚Diana‘ auf der Anhöhe ‚Freundschaft‘ (560 m über dem Meeresspiegel) bzw. die dazu gehörige Gaststätte erreichten. 

der Aussichtsturm, 1914 erbaut, „verhältnismäßig hoch“ mit 35 m
die Traditionsgaststätte, gleich 1914 mit gebaut

Im Wanderführer wird es etwas blumiger beschrieben: „Bei einer klassischen Gelände-Kur machen sich zusätzlich etliche, für den menschlichen Organismus erforderliche bioklimatische Anregungen positiv bemerkbar.“ Das stimmt, der Kaffee samt Apfelstrudel mit Eis und Schlagsahne machten sich gut. Die im Brotlaib servierte Gulaschsuppe, obwohl sehr lecker, haben wir diesmal nicht genommen, denn das Frühstück fiel schon sehr üppig aus.  Die meisten Gäste des Ausflugslokals gehen allerdings nicht zu Fuß zur Diana hinauf oder steigen gar bergab, sondern fahren mit der ‚Funiculaire‘ (neues Wort gelernt heute, ist Deutsch! Allerdings geläufig in der Schweiz, es handelt sich um eine Standseilbahn.) Wir haben den schlängeligen Abstieg auf dem Weg Nummer 17 gewählt und kamen so auch noch am Jesus vorbei.

„Näher mein Gott zu dir“ – man muss sich schon festhalten, damit einem nicht unwohl wird in der Höhe
Jesuskreuz von vorne, das Haus links davon, das Drei Schwalben, ist übrigens erst 1999 erbaut worden -geht doch!


Im Vorwort unseres kleinen Reiseführers heißt unser Wandererlebnis dann so: „Die klimatische Gelände-Kur ist nicht nur bei der Heilung von Kranken im Sinne einer angemessenen Rehabilitation und nachfolgender Vorbeugung, sondern auch für bisher gesunde Personen als Mittel zur Bewahrung der persönlichen Gesundheit von unschätzbarem Wert. Außerdem handelt es sich um eine ausgezeichnete Ergänzung der klassischen Kurbehandlung und die Möglichkeit zur Erforschung des Zaubers der Wälder in der Umgebung des Kurorts.“ Yeah!

Was wirklich dermaßen out ist („Du willst den Scheiß doch wohl nicht auch noch fotografieren?!“), illustriert die folgende Danksagung an die Mutter:

ohne weitere Worte, das lassen wir mal schön so einsacken

No english translation this time, another nice walk in the woods surrounding Carlsbad.

Kuren in Karlsbad

Es ist doch immer wieder schön hier! Gestern sind wir durch das Kurgebiet und das Zentrum spaziert, sehr langsam und gemächlich, nicht aufgrund des Alters, sondern weil die Temperaturen gestern 32 Grad erreichten. Die meisten Gebäude im Kurgebiet wurden rund um die vorletzte Jahrhundertwende erbaut. Dank kräftiger, meist russischer, Geldspritzen erstrahlen die Fassaden, die inzwischen fast alles Hotels oder Appartementanlagen sind, in neuem, alten Glanz (zwei Drittel im Eigentum russischer Privatinvestoren). Die Vielfalt der unterschiedlichen Architekturstile hat der Architekt Le Corbusier einmal als Ensemble der Torten bezeichnet. Es bleibt für uns aber schön anzusehen. Er hätte womöglich mehr Freude am Kurhotel Thermal gehabt, einem Betonhochhaus, das auf den ersten Blick ein Störfall im Gelände darstellt. Dabei ist es sehr interessant, wenn man sich ein wenig erkundigt. Gebaut als Hauptspielort des Internationalen Filmfestivals (für Insider, es gehört zu den A-Festivals, aber zu den kleineren) sieht die gesamte Anlage aus der Luft betrachtet wie ein gigantischer Filmprojektor aus.

Stará Louka, Karlovy Vary
Stará Louka, Karlovy Vary mit dem berühmten Café Elefant
Grandhotel Pupp, das beste Hotel am Ort
Vridelní, gegenüber der Mühlbrunnenkolonnaden
T.G.Masaryka, nicht mehr Kurgebiet, sondern Teil der Fußgängerzone im Zentrum
Blick von unserem Balkon, im Hintergrund in der Bildmitte das Spa Hotel Thermal

Nach dem Gewitter gestern Abend hat es sich deutlich abgekühlt und wir sind heute auf Beethovens Spuren gewandert. Er selbst hat auch in der näheren Umgebung gekurt und währenddessen Karlsbad einen Besuch abgestattet, um bei einem Benefizkonzert mitzuwirken. Außer ihm waren eine Menge berühmter Leute hier, die Liste bei Wikipedia listet nur eine Auswahl auf und kommt dabei schon auf 31 Personen, alle weltweit bekannt. Die Menge an deutschsprachigen Besuchern ist nicht verwunderlich, denn dieser Teil von Böhmen war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges fast komplett deutschsprachig. Das ist nun anders, aber mit Deutsch kommt man hier überall gut zurande. 

Wir haben heute also den 15. von den 22 Kurortspaziergängen unseres Taschenreiseführers absolviert, 5,5 km durch die Wälder auf dem Beethovenova stezka, dem Beethoven-Steig. Die 100 m Anstieg wurden belohnt durch schöne Ausblicke auf das Hotel Imperial, das exakt so über der Stadt thront. Am altán Básníku, dem Dichter-Lusthaus (ist eine Hütte im Wald, mehr nicht) waren wir immerhin 561 m über dem Meeresspiegel. Ganz gut für untrainierte Flachländer.

Mr. B., badet gerade nicht
das Hotel Imperial

Nachmittags war dann nach dem Ausruhen Zeit für ein gepflegtes Kurkonzert. Das stadteigene Synphonieorchester spielte ein abwechslungsreiches Programm in der Mühlbrunnenkolonnade, Wassergeplätscher aus den Sprudelquellen inklusive. Am Abend gab es in der barocken Kirche St. Maria Magdalena, gleich neben unserem Hotel, inzwischen ein nationales Kulturdenkmal der Republik, ein Orgelkonzert in Verbindung mit Opernarien unter dem Thema Ave Maria

Jan Mikoláš dirigiert das Karlovarsky Symfonicky Orchestr
die Mezzosopranistin Barbora Martínková-Polášková vor der Orgel aus dem Jahr 1899 in der St. Maria Magdalena Kirche
St. Maria Magdalena, Karlovy Vary

Nach so einem ereignisreichen Tag halten wir es dann mit Beethoven, der in einem seiner Briefe aus der Kur schrieb, als Badender müsse er nun schlafen gehen.
An exciting day at the spa, going for a walk in the woods, 3,5 miles on the hills surrounding the city; a concert in the Colonnades in the afternoon and finally an organ concert in a baroque church, something for ears and eyes.

Gruß aus Böhmen

Wir haben es gefunden, das Sommerwetter, das uns oben aus dem nordisch kühlen und nassen Klima hat fortfahren lassen! Was gibt es schöneres, als bei 27 Grad am heißesten Tag des beginnenden Julis im Auto zu sitzen und durch die halbe Republik zu fahren? Dank der ausdauernden Zahlung des Solidarbeitrages in den letzten Dekaden war die Fahrt aber ganz angenehm: die Autobahnen, Bundes- und Kreisstraßen sind im Osten in einem sehr guten Zustand, kein Schlagloch weit und breit. Und dank des Sonntags gab es auch keine Staus in den Baustellen. In den brandenburgischen Ebenen steht das Getreide schon reif auf den Feldern. Im ehemaligen Braunkohletagebaugebiet schreitet die Renaturierung voran: wir sind durch ein Gebiet gefahren, dass sich ‚Neuseenland‘ nennt (luuustig, kein Schreibfehler, im Süden Leipzigs werden die „Löcher“ geflutet) und so entsteht hier nach und nach See an See. Die Fahrt durch das Erzgebirge ist malerisch und auch im Hochsommer kann man Schwibbögen kaufen oder das Räuchermännchen-Museum besichtigen. Wir sind allerdings, mit Pausen natürlich, in einem Rutsch hindurch gefahren und grüßen nun aus Karlovy Vary, in Deutschland und der Welt eher bekannt als Karlsbad im Norden der Tschechischen Republik.

Kalle Vier, 700 Jahre jung, muss an den heißen Quellen liegen
Karlsbad, Mühlenkolonnaden, James Bond lässt grüßen

Hier wird gerade der 700. Geburtstag von Karl IV, seines Zeichens böhmischer König (und auch König über so manch Nachbarland, bevor er zudem deutsch-römischer Kaiser wurde) gefeiert und das Kurgebiet hat sich hübsch heraus geputzt. Wir waren schon vor ein paar Jahren hier, allerdings im Herbst. Da war es sehr voll, viele ältere Menschen, die zum Kuren hierher kommen. Im Gegensatz dazu ist es jetzt gerade sehr übersichtlich bevölkert, sehr viele junge Menschen und Familien mit Kindern. In unserem Hotel oberhalb der Sprudelquelle sind wir fast allein. Jedenfalls waren wir die einzigen beim Abendessen, es wurde extra für uns gekocht. Dafür konnten wir aber auch nicht auswählen; gegessen wurde, was auf den Tisch kam: Käsesalat als Vorspeise, Hühnchen mit Schmorgemüse und Reis, Salat des Tages und zum Nachtisch mit Schokolade und Aprikosenmarmelade gefüllter Pfannkuchen mit Schlagsahne -kannst nicht meckern! 

unser Hotel Jean de Carro, ab jetzt wird nur noch in regulären Betten geschlafen, wenn wir unterwegs sind

Hier bleiben wir jetzt für eine Woche, werden spazieren gehen in den umliegenden Wäldern, ein bisschen Kultur und das Essen genießen. Das berühmte Filmfestival ist leider gestern zuende gegangen, aber es gibt Kurkonzerte in den Kolonnaden, Kirchenkonzerte und Jazz in den großen Hotels. Und dann müssen wir ja regelmäßig zu den heißen Quellen, um das eisen- und salzhaltige Wasser zu trinken. Wir halten uns schließlich in einem berühmten Kurbad auf.

Trinkkur, nur stilecht mit der Schnabeltasse

Our tour started again, we arrived in Carlsbad, Czechia today. And finally we found the sun, it’s really hot here in Bohemia. We’re staying for a week, drinking salty hot water tasting as if you’ve got an iron lollipop in your mouth -but it’s supposed to be good for you health. Carlsbad is celebrating the 700th birthday of Charles IV, famous King and Emperor in Europe. We’re celebrating the last weeks of our wonderful year off -it was and still is a great experience! 

The pictures show a sculpture of Charles IV, the famous Mill Colonnades (as seen in the James Bond movie Casino Royale), our hotel and Kay, getting his portion of ‚good and healthy‘ hot water.

Es geht wieder los …

Liebe Freunde der gepflegten Reiseblog-Lektüre, freut euch, es wird in den nächsten Wochen wieder etwas zu lesen geben. Unsere Reise ist noch nicht zuende! Das norddeutsche Sommerwetter deprimiert ja schon, wenn man den ganzen Tag auf der Arbeit ist. Aber wenn man für alles Zeit hat und dann drinnen sitzt und wartet, dass der Regen mal eine Pause macht, das geht schon auf die Nerven. Aus der geplanten Tour zu Freunden wurde leider nichts, denn die wohnen gern mal in den Städten, in denen es schon Umweltzonen gibt. Und da dürfen wir nicht hinein mit unseren alten Diesel-Stinkern. Freie Sonnenplätze gibt es zur Zeit reichlich in der Türkei, in Ägypten und in Nordafrika, aber da wollen wir nicht hin. Also im Internet nach Angeboten auf Kreta, Mallorca und den Kanaren geguckt, ist aber alles schon voll. Dort sind schon die, die auch nicht in die Türkei, nach Ägypten oder Nordafrika wollten. 

Aber Europa ist ja groß. Nun werden wir Karl beim Baden zuschauen, Heidelbeeren auf dem gleichnamigen Berg suchen, die Schoko- und Frittenerfinder bei der Arbeit beobachten, leave– und remain-Anhänger interviewen und den Versuch des Riesen den Ozean zu überqueren erkunden. Freut euch auf interessante Geschichten aus Tschechien, Süddeutschland, Belgien, England und Nordirland.

We’re starting again, leaving the typical northern style summer (wet, rain, wet, more rain, wet, and even more rain, combined with thunder) and heading south. You will read stories from the Czech Republic, southern Germany, Belgium, England and Northern Ireland. So, stay tuned!!