Spaziergang durch Notting Hill

Und man stößt überall auf die Spuren des gleichnamigen Films mit Hugh Grant und Julia Roberts, den wir wahrscheinlich alle gesehen haben. Um es gleich vorweg zu nehmen, hier ist die einzige Location, die sowieso an unserem Weg lag. Wir wollten auf unserem Weg nicht den Film nachspielen.

die Fassade des book shops im Film


Notting Hill
ist ein spannender und abwechslungsreicher Stadtteil, von wunderbar renovierten Stadthäusern, dessen Bewohner wir nicht gesehen haben, nur deren Autos und Angestellte, bis hin zu Sozialbauwohnungen, deren Bewohner im Straßenbild sichtbar waren. Alles steht dicht beieinander und lebt anscheinend gut zusammen. Ganz anders als zu früheren Zeiten.

Im frühen 19. Jahrhundert begann die Expansion Londons nach Westen. Bis dahin war das Gebiet noch sehr ländlich. Die berühmte Portobello Road z.B. hat ihren Namen von der damals im Norden Notting Hills gelegenen Portobello Farm erhalten. Doch nicht nur Häuser für die aufstrebende Mittelschicht wurden dort gebaut. Auch die Schweinefarmer mussten weichen, da ihr Gebiet rund um Marble Arch bebaut wurde. Das neue Gebiet wurde piggeries genannt. In dem Slum betrug das Verhältnis von Schwein zu Mensch 1830 3:1. Das muss ein Gestank gewesen sein, unvorstellbar. Gleich daneben der nächste Slum hieß the potteries. Dort wurden aus dem schweren Lehmboden, der dort vorkam, Ziegel und Fliesen gebrannt. Ein letztes Überbleibsel davon ist dieser alte Brennofen:

one of the last remaining bottle kilns in London

Der schwere Boden war auch mit ein Grund dafür, dass die Pferderennstrecke (Hippodrome), die ein Investor mit dem Anspruch baute, sie größer als Ascot anzulegen, schon nach fünf Jahren aufgegeben werden musste. Die Vertiefungen in der Rennstrecke verfüllten sich immer wieder mit Wasser, und die Pferde erlitten schwere Verletzungen. Das Gelände wurde dann ebenfalls mit schönen Stadthäusern bebaut. Vom Hügel in der Mitte des Geländes sollten die Zuschauer sich die Rennen ansehen. Danach hat man darauf eine Kirche gebaut, St. John. Dort gab es eine Ausstellung zur Geschichte des Stadtteils mit all diesen interessanten Fakten. 

St. Johns Church, Notting Hill

Es ging eine sehr lange Zeit ins Land, bevor die Slums verschwanden, man nannte die Gegend auch Notting Dale (Tal). Es gab viele schwere Rassenunruhen in den 1950ern und 1960ern. Es war normal, an den Häusern, in denen Wohnungen zu vermieten waren, Schilder mit der Aufschrift „No blacks, dogs  or Irish“ zu sehen. Das gibt es glücklicherweise nicht mehr, und noch immer finden viele Immigranten ihren Weg nach Notting Hill, die dort auch bezahlbaren Wohnraum finden. Wir würden in den Wohnungen allerdings nicht leben wollen, der bauliche, energetische und auch sonstige Standard entspricht nicht im entferntesten dem im Deutschland. Aber in den Häusern, die wir schick fanden, könnten wir auch nicht wohnen, wie wir nach einem Blick auf die Anzeigen bei einem Immobilienmakler feststellen mussten.

eines dieser kleinen Scheibchen, früher Ställe, jetzt renoviert, geht für 2 Millionen Pfund über den Tisch
der riesige Trellick Tower im Hintergrund war früher einmal das Paradenegativbeispiel für innerstädische öffentliche Hochhausbebauung mit all den auftretenden Problemen. Inzwischen sind die meisten Wohnungen in Privatbesitz und können mehr als 300.000 Pfund kosten.

Nach dem einige Meilen langen Spaziergang ging es dann abends mit der UBahn wieder hinüber auf die südliche Themseseite, um noch einmal Shakespeare zu genießen. Diesmal gab es im Globe Theatre The Taming of the Shrew (Der Widerspenstigen Zähmung), wieder eine tolle Inszenierung mit großartiger Interaktion zwischen den Schauspielern auf der Bühne, den Zuschauern vor der Bühne und den Musikern über der Bühne. Das Stück selbst war nicht so leicht zugänglich, Frauen an heiratswillige Männer meistbietend zu verschachern ist nicht so up-to-date, allerdings waren genügend komische Szenen vorhanden, um unsere müden Füße zwischendurch zu vergessen.

so schön ist es abends im Hof

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