Kuren in Karlsbad

Es ist doch immer wieder schön hier! Gestern sind wir durch das Kurgebiet und das Zentrum spaziert, sehr langsam und gemächlich, nicht aufgrund des Alters, sondern weil die Temperaturen gestern 32 Grad erreichten. Die meisten Gebäude im Kurgebiet wurden rund um die vorletzte Jahrhundertwende erbaut. Dank kräftiger, meist russischer, Geldspritzen erstrahlen die Fassaden, die inzwischen fast alles Hotels oder Appartementanlagen sind, in neuem, alten Glanz (zwei Drittel im Eigentum russischer Privatinvestoren). Die Vielfalt der unterschiedlichen Architekturstile hat der Architekt Le Corbusier einmal als Ensemble der Torten bezeichnet. Es bleibt für uns aber schön anzusehen. Er hätte womöglich mehr Freude am Kurhotel Thermal gehabt, einem Betonhochhaus, das auf den ersten Blick ein Störfall im Gelände darstellt. Dabei ist es sehr interessant, wenn man sich ein wenig erkundigt. Gebaut als Hauptspielort des Internationalen Filmfestivals (für Insider, es gehört zu den A-Festivals, aber zu den kleineren) sieht die gesamte Anlage aus der Luft betrachtet wie ein gigantischer Filmprojektor aus.

Stará Louka, Karlovy Vary
Stará Louka, Karlovy Vary mit dem berühmten Café Elefant
Grandhotel Pupp, das beste Hotel am Ort
Vridelní, gegenüber der Mühlbrunnenkolonnaden
T.G.Masaryka, nicht mehr Kurgebiet, sondern Teil der Fußgängerzone im Zentrum
Blick von unserem Balkon, im Hintergrund in der Bildmitte das Spa Hotel Thermal

Nach dem Gewitter gestern Abend hat es sich deutlich abgekühlt und wir sind heute auf Beethovens Spuren gewandert. Er selbst hat auch in der näheren Umgebung gekurt und währenddessen Karlsbad einen Besuch abgestattet, um bei einem Benefizkonzert mitzuwirken. Außer ihm waren eine Menge berühmter Leute hier, die Liste bei Wikipedia listet nur eine Auswahl auf und kommt dabei schon auf 31 Personen, alle weltweit bekannt. Die Menge an deutschsprachigen Besuchern ist nicht verwunderlich, denn dieser Teil von Böhmen war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges fast komplett deutschsprachig. Das ist nun anders, aber mit Deutsch kommt man hier überall gut zurande. 

Wir haben heute also den 15. von den 22 Kurortspaziergängen unseres Taschenreiseführers absolviert, 5,5 km durch die Wälder auf dem Beethovenova stezka, dem Beethoven-Steig. Die 100 m Anstieg wurden belohnt durch schöne Ausblicke auf das Hotel Imperial, das exakt so über der Stadt thront. Am altán Básníku, dem Dichter-Lusthaus (ist eine Hütte im Wald, mehr nicht) waren wir immerhin 561 m über dem Meeresspiegel. Ganz gut für untrainierte Flachländer.

Mr. B., badet gerade nicht
das Hotel Imperial

Nachmittags war dann nach dem Ausruhen Zeit für ein gepflegtes Kurkonzert. Das stadteigene Synphonieorchester spielte ein abwechslungsreiches Programm in der Mühlbrunnenkolonnade, Wassergeplätscher aus den Sprudelquellen inklusive. Am Abend gab es in der barocken Kirche St. Maria Magdalena, gleich neben unserem Hotel, inzwischen ein nationales Kulturdenkmal der Republik, ein Orgelkonzert in Verbindung mit Opernarien unter dem Thema Ave Maria

Jan Mikoláš dirigiert das Karlovarsky Symfonicky Orchestr
die Mezzosopranistin Barbora Martínková-Polášková vor der Orgel aus dem Jahr 1899 in der St. Maria Magdalena Kirche
St. Maria Magdalena, Karlovy Vary

Nach so einem ereignisreichen Tag halten wir es dann mit Beethoven, der in einem seiner Briefe aus der Kur schrieb, als Badender müsse er nun schlafen gehen.
An exciting day at the spa, going for a walk in the woods, 3,5 miles on the hills surrounding the city; a concert in the Colonnades in the afternoon and finally an organ concert in a baroque church, something for ears and eyes.

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