Der Tag der verschlossenen Möglichkeiten

An den meisten Tagen hat man Glück, manchmal aber auch nicht. Diesen Tag haben wir heute erwischt. Gestern noch sage und schreibe zwölf Geldstücke für unseren Topf von den Bürgersteigen und Straßen New Jerseys aufgesammelt. Heute ging das meiste, was wir machen wollten, nicht. Aber trotzdem kamen wir mit sieben weiteren Geldstücken nach Hause.

Es begann schon mit dem Bus, der nicht kam. Wir sind die dreieinhalb Kilometer zu Fuß zum Bahnhof gegangen. Der Bus holte uns am Ziel ein, mit zwanzig Minuten Verspätung. Dann ging es in Manhattan zur City Hall, dem Sitz der New Yorker Stadtverwaltung. Wir wollten uns für eine kostenlose Führung anmelden, aber der Guide, der das immer gemacht hat, hat aufgehört und sie haben noch keinen neuen gefunden. Pech. Das Gebäude selbst ist weiträumig abgesperrt. Das Woolworth Gebäude  nebenan mit seinem tollen Interieur (sagt der Reiseführer) ist inzwischen in Privatbesitz und nicht mehr zugänglich. Okay, dann eben zum AT&T Gebäude mit seinen vielen Marmorsäulen. Aber auch das war geschlossen, das sehenswerte Erdgeschoss wird gerade renoviert. Also wieder zurück zur City Hall und hinab in die Subway. Unter der City Hall gibt es eine UBahnstation, die schon seit 1945 geschlossen, aber noch voll funktionsfähig ist. Die immer länger werdenden Züge passten nicht mehr hinein und man hatte gleich nebenan schon eine neue, größere Station gebaut. Man kann diese verlassene Station mit ihren schönen Bögen, Mosaiken und Glasleuchtern ansehen, aber nur, wenn man Mitglied im Transportmuseum ist. Oder man steigt an der letzten Station der Linie 6 einfach nicht aus, sondern fährt die Schleife durch die verlassene Station und kann mit etwas Glück einen Blick erhaschen. Wir hatten kein Glück und so muss dieser Link helfen. Es ist wirklich schön dort.

 

City Hall
 
Mit der Linie 6 sind wir dann uptown ins East Village gefahren, um einen der Spaziergänge, die im Reiseführer beschrieben sind, zu machen, verbunden mit dem Besuch einer ganzen Reihe von Secondhand-Läden mit tollen Klamotten. Schon gleich nach dem Aufgang von der UBahnstation sollte ein Kunstwerk, ‚The Alamo‚, zu sehen sein. Aber nein, auch das war weg! Die 4,5 m hohe würfelförmige Bronzeskulptur steht sonst auf einer Spitze und kann mit der Hand gedreht werden. Das wollten wir ausprobieren, aber sie ist bereits seit Oktober 2014 eingepackt und sicher verstaut worden, da der gesamte Astor Place umgebaut wurde und immer doch wird. Papierreiseführer können halt nicht so schnell upgedated werden, obwohl wir eine Ausgabe von 2014/2015 dabei haben. Auch etliche der Secondhand-Läden waren nicht mehr vorhanden, obwohl wir diese im Internet in einer Auflistung von 2015 gefunden hatten. Die, die noch da waren, hatten zum Teil sehr schöne Dinge, aber 1200 Dollar für eine wirklich hübsche Designerjacke waren nicht mehr im Budget enthalten.

Ansonsten ist es im East Village schön. Viele unterschiedliche kleine Geschäfte und Restaurants, viele sehr unterschiedliche Einwanderungsgruppen. Schmale mittelhohe Häuser, zum Teil mit Feuertreppen davor, die Straßen von Bäumen gesäumt.

 

Little Ukraine: die älteste ukrainische Volksgruppe der USA lebt hier. Links das rund um die Uhr geöffnete Lokal Veselka, rechts daneben das Kulturzentrum Ukrainian National Home
 
 
dieses Geschäft verkauft u.a. Cupcakes; die Teekännchen, aber auch die dazugehörigen Tassen sind schon speziell
  
ein typischer Straßenzug im East Village
  
was hier verkauft wird, ist nicht klar; im Schaufenster liegen massenhaft Puppengliedmaße, da wollten wir nicht hinein
 
An einer Kirche in der E 6th St, jetzt eine Synagoge, fanden wir eine Gedenktafel, die eine sehr traurige Geschichte erzählt. Die Kirche, Anfang des letzten Jahrhunderts der Mittelpunkt einer sehr großen deutschstämmingen Gemeinde (der Stadtteil hieß Little Germany), charterte jedes Jahr ein Ausflugsschiff, so auch im Sommer 1904. Bei der Fahrt auf dem East River mit der General Slocum, einem Raddampfer, der erst im Jahr davor alle Sicherheitsüberprüfungen bestanden hatte, waren fast 1400 Menschen an Bord, fast ausschließlich Frauen und Kinder, da die Fahrt an einem Wochentag stattfand. Es brach ein Feuer aus, das Schiff konnte nicht schnell genug ans Ufer gesteuert werden. Rettungsboote und Schwimmwesten waren nicht funktionsfähig. Fast alle Passagiere sprangen voller Panik in den Fluß, die meisten waren allerdings Nichtschwimmer. Es starben mehr als 1000 Menschen. Davon hat sich die deutsche Gemeinde nicht wieder erholt und sie löste sich im darauf folgenden Jahr auf.

Nach dreieinhalb Kilometern kreuz und quer durchs Village brauchten wir eine Pause und einen Stärkung in Form von einer riesigen Portion Burger und Fries.

 

Buffalo Bison Burger mit handgeschnittenen frittierten Kartoffelstreifen
 
 
wohlverdiente und sehr wohlschmeckende Pause im Silver Spurs, LaGuardia Place, Ecke West Houston Street

 Anschließend hatten wir noch Energie für einen kleinen Spaziergang durch Greenwich Village, rund um den Washington Square, bevor es wieder zurück auf die andere Seite des Hudsons ging. 

 

Washington Square Arch
  
Ankündigung für Sprachkurse des ‚Deutschen Hauses‘, Teil der New York University, untergebracht in einem kleinen Kutschenhäuschen in der Straße Washington Mews
  
Werbung am Himmel, fünf Flugzeuge schreiben eine Botschaft
 

Walking tour through East Village and Greenwich Village

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