Von den frühen Jägern und Sammlern haben wir beide definitiv viele Sammler-Gene vererbt bekommen. Das war uns schon bei den Reisevorbereitung aufgefallen, so viele Dinge, die sich mit den Jahren bei uns angesammelt hatten und nun verpackt oder aussortiert werden mussten. Die Vereinigten Staaten stellen sich als wahres Sammlerparadies heraus, wenn man nur die Straßen entlang fährt oder geht. Allein aus den Teilen, die wir in den Gräben und Seitenstreifen der Highways und Interstates gesehen haben, hätten wir uns ein komplettes Auto zusammen bauen können. Wie gut, dass wir fuhren und so nichts aufsammeln konnten. Ganz anders beim Spazierengehen. Kays Sammlung an Unterlegscheiben und Muttern ist zwischenzeitlich aufgegeben worden, es wurden einfach zu viele und sie waren zu schwer zu tragen. Knöpfe liegen auch gern herum, eher in Bahnhöfen und Zügen. Die bleiben auch liegen, es sind meistens nur langweilige Anzugknöpfe. Münzen findet man überall. Bisher haben wir auf jedem unserer Fußmärsche zu Bus und Bahn oder zum Einkaufen mindestens eine Münze gefunden. Das Töpfchen auf dem Schreibtisch füllt sich langsam, aber stetig. Leider sind es meistens nur Ein-Cent-Münzen, sodass dort bis zum Ende unseres Aufenthaltes keine Reichtümer zu erwarten sind.

In der Upper East Side Manhattans konnten wir keine Münzen aufsammeln, dort wird anscheinend nur mit Kreditkarte und dem guten Namen bezahlt. Die zwei Münzen, die wir sahen, waren im Bitumen zwischen den Gehwegplatten eingeklebt. Vom Säubern der Gehwege waren sie schön glänzend, so dass wir sie gut sehen, aber nicht aufheben konnten. Sie müssen in einem der heißen Sommer in New York aus den Hosentaschen gefallen sein und sind dann eine untrennbare Verbindung mit dem schmelzenden Bitumen eingegangen. Dafür haben wir dann im Central Park einen Schal gefunden. Wenn die Tücher und Schals hübsch sind und zu unseren Outfits passen, sammeln wir sie auf, nehmen sie mit (dafür sollte man immer eine Plastiktüte in der Tasche haben) und waschen sie zuhause. Auf unserer Reise haben wir schon einige gefunden, aber diesmal hatten wir richtig Glück. Dieser Schal war aus dem Museumsshop des Metropolitan Museums, erst kürzlich erworben, ist wohl aus der Tasche gefallen und wird nun wahrscheinlich schmerzlich vermisst. Aber es war schon abends, niemand mehr in der Nähe, als wir ihn fanden. Wir warten immer eine Weile auf die Rückkehr der Besitzer, bevor wir das Tuch endgültig adoptieren.

Ansonsten versuchen wir eher, die Menge an realen Gegenständen zu begrenzen, damit wir nicht noch einen Koffer kaufen müssen. Daher machen wir viele Fotos, z.B. die folgenden, die wir in einem ganz normalen Supermarkt in einer ganz normalen Wohngegend in unserem Nachbarort Harrison gemacht haben. Okay, das Wort ’normal‘ muss hier ins Portugiesische übersetzt werden, aber sonst…

