Ende einer besonderen Zeit, unser Zuhause geht zurück; hallo ÖPNV

Nach einer Woche oben im Nordwesten des Staates New York ging es zurück an den Ausgangspunkt unserer Reise mit dem Camper Van, nach Peekskill. Fünf Monate Fahren, Schlafen, Wohnen, Kochen etc. im kleinen Auto hatten dann doch ein Ende. In Buffalo haben wir das Auto bei sonnigem Wetter gründlich von innen und außen geputzt, auf unserer Fahrt hat es dann immer geregnet, aber das Auto blieb sauber genug zum Abgeben. 

Am 1. April, kein Scherz, hieß es Abschied nehmen von einem tollen Aufenthalt in Buffalo und Umgebung, mit allem Luxus, den ein großes Haus bieten kann. Glücklicherweise mussten wir nicht noch einmal im Camper Van schlafen, denn es ging direkt zu unserem Appartement nach Kearny, NJ. Wir fuhren wieder durch Berge, und immer sind es Teile der Appalachen, und wir überquerten auch wieder den Sasquehanna-Fluß, wie schon öfter auf unserer Fahrt nach Norden. Diesmal fuhren wir auch noch durch Sasquehanna County.

 

Sasquehanna River, crossing again, but this time for the last time
 
Wir sind morgens gegen neun Uhr abgefahren. Da aber alles hier in den USA groß und weit ist, auch die kleineren Staaten, kamen wir erst um fünf Uhr nachmittags in Kearny an. Da der Berufsverkehr bis dahin nachgelassen hatte und wir auch in die Gegenrichtung fuhren, war die Fahrt durch den Ballungsraum westlich des Hudson River, der auf der Straßenkarte unübersichtlich aussieht, recht einfach.

Unser Appartement liegt im Keller, wir hören nichts von Straßen- oder Fluglärm (Newark International ist ganz in der Nähe). Hier werden wir vier Wochen wohnen und New York City auf der anderen Flußseite erkunden.

 

unser Appartement, die Tür führt zu unserem separaten Eingang
  
Internetzugang und TV mit Netflix und Co. Das wird ausgenutzt!
 
Doch zunächst musste das Auto noch abgegeben werden. Wir räumten unsere ganzen Sachen (einen Koffer voll hatten die Kinder schon wieder mit nach Deutschland genommen) in das Appartement und fuhren am nächsten Tag vom Staat New Jersey wieder in den Norden nach Upstate New York, immer an der Westseite des Hudson River entlang. Nach zwei Stunden Fahrt über Highways (wir wollten die mautpflichtigen schnellen Straßen vermeiden, auch dann hätte es fast anderthalb Stunden gedauert) durch Ballungsräume und Berge überquerten wir im Norden von Peekskill den Fluß, nachdem wir Brückenzoll bezahlt hatten.

Die Übergabe des Autos ging recht zügig, es wurden die Füllstände der Tanks kontrolliert und ein Blick in das aufgeräumte Auto geworfen, das war’s. Wir mussten dann noch die Selbstbeteiligung an den Unfallkosten bezahlen, abzüglich unserer Auslagen und Arbeitszeit für die kleinen Reparaturen zwischendurch. Wir bekamen unsere leeren Koffer, die wir dort deponiert hatten, zurück. Dann fuhren wir mit dem Wagen zum Bahnhof, von dort aus wurde er zur Verleihstation zurück gefahren. Schwuppdiwupp war unser Zuhause für fünf Monate weg, schneller als die Tränen Zeit hatten, hinabzurinnen. Ein komisches Gefühl!

 

am Bahnhof von Peekskill, Tschüß Auto, Tschüß Zuhause!
 
Die nächsten fünf Stunden verbrachten wir damit, den öffentlichen Personennahverkehr im Großraum New York zu erkunden. Da es ein Sonnabend war, war es nicht so voll, dafür fuhren die Züge aber auch nicht so häufig. Zuerst ging es mit dem Zug von Peekskill zur Grand Central Station, den Weg kannten wir schon von der Hinfahrt. Die Zugtickets gab es am Automaten auf dem Bahnsteig, die Bedienung war einfach. Die Fahrt dauerte 75 Minuten, obwohl es ein Expresszug war, der nur an wenigen Haltestellen hielt. Und wieder fuhren wir am Hudson River entlang, diesmal an der anderen Uferseite. 

 

Kay unter der Erde
 
Anschließend ging es in die U-Bahn. Nach einer Zeit des Hin- und Herrechnens haben wir die Metrocards, die wir von den Kindern übernommen hatten (die waren Anfang März schon für eine Woche in New York gewesen), mit Geld aufgeladen. Wir haben uns gegen eine Monatskarte entschieden, da wir uns sicher waren, dass wir nicht jeden Tag nach Manhattan hineinfahren würden. Mit der Metrocard kamen wir dann via Times Square zur Penn Station. Ein kleiner Fußweg über Tage brachte uns mit Hilfe der Polizeianweisung zum richtigen Eingang für die PATH Bahn. Diese verbindet New York mit New Jersey, erfordert aber einen anderen Fahrschein. Diesmal kauften wir eine richtige Plastikkarte, so wie unsere EC-Karten und buchten erst einmal zehn Fahrten darauf. Damit kamen wir auf den nächsten Bahnsteig. Nach ein bisschen Wartezeit fuhr der Zug ab, sauste unter dem Fluß hindurch, hielt mehrmals auf der anderen Seite an, bevor wir dann an der vorletzten Station in Harrison ausstiegen. Hier werden die alten Industriebrachen gerade umgewandelt und die Gegend gentrifiziert. An der Bahnstation selbst war davon noch nicht so viel zu sehen. Und was gar nicht zu sehen war, war die Bushaltestelle, von der wir abfahren wollten. 

Im Telefongeschäft nebenan konnte man uns zumindest die Richtung weisen, in die wir gehen sollten. Wir gingen bis zum nächsten Block, keine Haltestelle zu sehen. Wir umrundeten den Block, keine Haltestelle. Google wusste auch nichts, die Blase drückte, der Hunger quälte. Also hinein zu Dunkin Donuts und die Dinge in einer sinnvollen Reihenfolge abarbeiten: zuerst auf die Toilette, dann Kuchen kaufen und nach dem Weg fahren. Dabei gab es nur zwei Probleme, die Anweisungen in einem stark akzentgefärbten Englisch zu verstehen und die Tatsache, dass fast alle Amerikaner mit dem Auto fahren und über Buslinien nicht so viel wissen. 

Aber wir sind mit neuem Zutrauen weiter die Straße entlang gelaufen, die Sonne schien, der Kuchen war lecker, die Bäume blühten. So ging es weiter, Block um Block, zwischendurch standen immer mal wieder Bänke auf dem Bürgersteig, auf denen Menschen saßen. Aber es waren absolut keine Bushaltestellen zu sehen. In der Ortsmitte kamen wir schließlich an der Polizei vorbei und beschlossen, dort nach dem Weg zu fragen. Die nette Polizistin am Empfang gab eine genaue Beschreibung, wo die nächste Haltestelle war (gleich um die Ecke) und an welcher Straßenseite wir stehen mussten (in die Richtung, in die wir schon die ganze Zeit gelaufen waren). Sie klärte uns dann auch darüber auf, dass es gar keine Haltestellenschilder geben würde. Dann ist es natürlich auch kein Wunder, dass unsere Suche erfolglos war. Als wir an der  beschriebenen Stelle ankamen, stand dort eine Bank. Nun machten die anderen Bänke auf unserem Weg die Straße entlang auch einen Sinn. Wir waren unwissend bereits an vielen Haltestellen vorbei gelaufen. Nachdem dann auch noch ein junger Mann zusammen mit uns wartete, waren wir zuversichtlich, dass nun alles richtig war.

Wir hatten bisher jeden Menschen, auch die Polizistin, nach einer Haltestelle der Linie 40 gefragt, laut und deutlich, und zur Sicherheit auch noch „Four – Oh“ gesagt. Daher waren wir etwas verwundert, dass wir nach einiger Zeit des Wartens den Bus der Linie 40 einen Block entfernt von uns um die Ecke bogen sahen. Weg war er! Der junge Mann an der Haltestelle bestätigte dann, was wir gesehen hatten, die 40 hielt an der anderen Kreuzung. Wir warteten an unserem Ort auf die Linie 30, die aber auch nach Kearny fuhr. Wenn schon nicht einmal mehr auf die Auskunft der Polizei Verlass ist! 

Irgendwann kam dann der Bus. Man steigt vorne bei der Fahrerin ein, steckt den exakten Fahrpreis in passenden Münzen in einen Einwurf, und bevor man noch nach einem Fahrschein fragen kann, wird man schon unwirsch hinein gewunken, da man den Verkehr aufhält. Kein Fahrschein! Weder Apparat noch Fahrer (der fährt schließlich und ist kein Kassierer) geben Wechselgeld heraus. Nun müssen wir also, ganz anders als bisher auf unserer Reise, Kleingeld sammeln, sonst kommen wir hier nicht hin bzw. weg. Im Laufe der Busfahrt stellte sich dann heraus, dass man an jeder Straßenkreuzung ein- und aussteigen kann, und zwar vor der Einmündung als auch dahinter. Für ersteres streckt man den Arm aus und winkt, für letzteres drückt man im Bus auf eine gelbe Leiste oberhalb der Haltestange. Wissen durch Beobachtung! 

 

und dann gibt es doch Bushaltestellen, manchmal, hier sind wir gerade ausgestiegen
 
Gegen 17 Uhr waren wir dann wieder im Appartement, nach einem weiteren kleinen Fußmarsch und einem Stopp beim Chinesen, um Abendessen zu besorgen. Abenteuer ÖPNV, kein Wunder, dass viele mit dem Auto unterwegs sind. Dafür benötigt man nur ein Navi, Tankstellen (gibt es hier überall) und Parkplätze (das kann hier zum Problem werden). 
Just a short summary: 

We drove from Buffalo, NY to Kearny, NJ, where our apartment for the next four weeks is, which took us eight hours. We unloaded everything from the Camper Van. The next day we drove north again to return the car in Peekskill. After eight hours again we were back in the apartment. Five hours with train and bus rides, finding the way to the different stations, finding our way through the different cards and fares, crossing the Hudson and State border lines were finally behind us. That was a hard working day. 

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