Take a glimpse into American culture 

Das vergangene Wochenende erlaubte uns einen tieferen Einblick in die amerikanische Lebensweise. Eigentlich haben wir Dinge gemacht, die wir auch zuhause machen: wir waren im Kino und zum Bingo-spielen. Same, same but different. Nur an der Oberfläche sieht es gleich aus.Alle Menschen, mit denen wir hier in Kontakt kommen, fragen uns über kurz oder lang, wie wir es denn hier finden und was so anders ist. Und das ist so schwer zu erklären, vor allem weil die Menschen hier meistens nur über eine Aufmerksamkeitsspanne von maximal 20 Sekunden verfügen und den Erklärungsversuchen von daher schon nicht folgen können. Da die meisten aber auch nur in Ausnahmefällen aus ihrem riesigen Land heraus kommen, können sie es sich schon einmal gar nicht vorstellen, dass es auch andere Erfahrungswelten außer ihrer eigenen gibt, die genauso Gültigkeit haben. Ein Beispiel von hier: alle, wirklich alle Menschen, ob Touristen oder Einheimische, wollen unbedingt, dass wir Fort Pulaski besuchen. Es ist sooo groß-ar-tig und sooo alt!! Dass wir alte Befestigungsanlagen und Schlösser zuhauf in Großbritannien gesehen haben, die weitaus älter sind, ist ihnen einfach nicht begreiflich zu machen, da doch das Fort hier schon sooooo alt ist, aus dem 19. Jahrhundert und darüber hinaus ein National Monument. Wir werden das weiterhin aussitzen und lieber Strandspaziergänge am Atlantik machen und Möwen aufscheuchen, um einmal andere Fotomotive zu erhalten.

 

Tybee Island north beach
  
   

Tybee Island north beach

Zurück zu Bingo und Kino. Auch diese beiden Dinge sind mit dem Militär verbunden, wie eigentlich alles in diesem Land. Manchmal kommen uns die Vereinigten Staaten wie ein durch und durch militarisiertes Land vor. Das ganze Alltagsleben ist davon durchzogen. Straßen werden nach gefallenen Soldaten benannt, es gibt tausende Memorial Highways, manchmal reicht es nur für einen Fahrradweg. Militärs und Veteranen (spätestens das scheint fast jeder zweite zu sein) bekommen ü-ber-all Ermäßigungen. Aufkleber und Nummernschilder an Autos zeigen entweder, dass die Fahrer veterans sind oder aber, dass sie support our troops unterstützen.

Freitags ist also Bingo Night bei der American Legion. Martina ist mit einer Bekannten vom Campingplatz hingegangen und kennt die deutsche und die dänische Spielweise beim Bingo mit Pappkärtchen, auf denen die Zahlen sind, und Plättchen, manchmal magnetisch, manchmal nicht, mit denen man die aufgerufenen Zahlen abdeckt. Hier kauft man ein Set mit acht farbig unterschiedlichen Blättern, auf denen 9 oder 12 Bingofelder zu sehen sind (die Menge der Felder hängt vom Einsatz ab). Dazu kann man dann noch jede Menge extra Bingofelder und Lose kaufen. Mit einem dabber, eine Art überdimensionaler Filzstift, den man praktischerweise auch vor Ort erwerben kann, wenn man keinen hat, werden die aufgerufenen Zahlen mit einem großen Punkt versehen. Wenn eine Spielrunde zuende ist, wird das Spielblatt abgerissen, zerknüllt und weggeworfen; wieder eine Chance der Nachhaltigkeit verpasst. (Unsere Spielweise zuhause mit den immer wieder verwendbaren Pappkarten war hier auch mal bekannt: so wurde es früher, auf die altmodische Weise, gespielt.) Keine Frage, die dabber sind alle quietschbunt, einige Spielerinnen brachten auch welche mit Glitzer mit. Martina hat sich vor Ort für einen fuchsia-farbenen dabber entschieden. Man ruft „Bingo“, wenn man das vorher angekündigte Ziel erreicht hat, das ist so wie zuhause. Aber ein normales Bingo erreicht man hier nicht nur mit fünf Zahlen (vier in Wirklichkeit, da das mittlere Feld eines 5×5-Feldes immer ein Joker ist) in einer horizontalen, vertikalen oder diagonalen Reihe, sondern auch, wenn die vier Ecken gedabbt sind. Dann gibt es Runden, in denen man zwei Reihen benötigt oder die ganze Karte gefüllt sein muss. 

 

Frankie in action, playing the extra game
 
Die Zahlen befinden sich auf Kugeln, die automatisch gezogen werden. Die Kugel wird dann vor eine Kamera gelegt und auf diverse Monitore übertragen (die Profis beginnen schon jetzt, diese Zahl auf ihren Papieren zu suchen und zu markieren), bevor sie ausgerufen und  auf dem Tisch des callers abgelegt wird. Der caller schaltet gleichzeitig das entsprechende Licht auf der großen Anzeigetafel an und erst dann ruft man „Bingo“, auf keinen Fall schon vorher, wenn die Kugel auf den Monitoren zu sehen ist. Martina hatte keine Zeit, dieses Procedere richtig zu verstehen und eine Routine zu entwickeln, weil sie gleich das erste reguläre Spiel gewann. Die Überraschung war gelungen, danach wusste der gesamte Saal, wer der Gast aus Deutschland war. Als Gewinn bekommt man Bargeld ausgezahlt, aber bevor die $60 die Seite wechseln konnten, wurden die Zahlen kontrolliert (wie bei uns, allerdings musste ein weiterer Spieler den Kontrolleur beim Ausrufen kontrollieren) und die Identität musste nachgewiesen werden. Da Martina alle Ausweismöglichkeiten im Camper gelassen hatte, übernahm Frankie den Part mit ihrer driving license. In der Pause kann man weitere Sonderspiele kaufen oder sich mit Snacks und Getränken versorgen oder einfach weiterspielen mit einem Verfahren, das nicht weiter erklärt wurde. Frisch zubereitetes Popcorn war der Hit bei den Snacks und sehr gern wurde ein quietschgelbes Pulver darüber gestreut. Das sah ganz hübsch aus, entpuppte sich aber als Käsegeschmack. Wie Frankie erzählte, gibt es dieses Pulver in allen möglichen Geschmacksvarianten, z.B. bacon, und es wird sehr gern über das Popcorn gestreut; alles was die Lebensmittelchemie so hergibt, auf jeden Fall muss es bunt sein. 

 

the caller calling numbers
    

Der unerwartete Gewinn konnte dann gleich an den nächsten zwei Abenden materialisiert werden. Wir wollten ins Kino gehen. Es gibt aber gar kein Kino auf Tybee Island, viel zu klein hier. Wie haben wir das gemacht? Ende des 19. Jahrhunderts wurde am nördlichen Strand der Insel ein Verteidigungsfort gebaut, Fort Screven. Von den Batterieanlagen aus Beton ist noch einiges zu sehen, Teile gehören zum Museum, in einem anderen sitzen die Freimaurer, wieder andere Reste sind mit Wohnhäuser überbaut. Dazu kommen noch jede Menge „alte“ Häuser, in denen Einrichtungen des Militärpostens untergebracht waren. 1930 wurde ein Kino für die Garnision gebaut, das heutige Tybee Post Theater. Bis Mitte der 1960er wurden Filme gezeigt, bevor dann endgültig das Licht ausging. Im Jahr 2000 hat die Stadt das Gebäude vor dem Abriss bewahrt, es wurde ein Fund gegründet und Geld zur Renovierung gesammelt. Im September 2015 wurde es als Veranstaltungsraum eröffnet und am vergangenen Wochenende wurde die Wiederinbetriebnahme als „Kino“ mit einem kleinen Filmfestival gefeiert.  Gezeigt wurden Filmklassiker aus den Anfangszeiten des Kinos auf Tybee, also aus den 1930er Jahren. Wir haben uns Mr Smith goes to Washington mit dem sehr jungen James Stewart und das Südstaatenepos überhaupt, Gone with the Wind mit Cary Grant und Vivian Leigh angesehen (das Georgia-Drama in Georgia im Original, das war auch eine sprachliche Herausforderung). Zum Schwarzweißfilm gab es Popcorn und Cola, ganz klassisch, aber das Popcorn hier ist salzig, sehr salzig. Wir haben uns für den nächsten Abend, vier Stunden Filmvorführung mit einer Pause, Cracker und Wasser mitgebracht. Um die Filmvorführungen so richtig zu feiern, kosteten die Tickets nur $1 und waren deshalb auch nur kurz vor jeder Vorstellung zu kaufen. Das ehrenamtliche Personal hatte sich für jeden Film entsprechend in Schale geworfen, das ergab jedes Mal ein schönes Fotomotiv. Und die amerikanischen Zuschauer, alle Altersgruppen waren reichlich vertreten, gehen während des Films so richtig lautstark mit. Es wurde über Witze gelacht, über schlechtes Benehmen gestöhnt, gemeine Dinge wurden entsprechend kommentiert und es gab Szenenapplaus. Ganz anders, als bei uns zuhause, und: sehr erfreulich, es raschelten keinerlei Chips-oder Bonbontüten. Den Wein aus Plastikbechern haben wir schlicht ignoriert. Außer den beiden schon erwähnten Filmen wurden noch The Wizard of Oz, Snowwhite and the Seven Dwarfs und King Kong gezeigt, alles Filme, die man gut einmal wieder hätte sehen können, aber wir wollten nicht das ganze sonnige Wochenende im Kinosaal verbringen. 

 

three Southern Belles with Rhett Butler, Scarlett o’Hara was still busy selling tickets
 
We had a busy weekend last weekend. On Friday Martina went to the Bingo Night at the American Legion, and while still trying to figure out the differences to the way it is played at home, she won the first regular round and got $60 extra spending money. Part of it was instantly spent the next day, because we went to the movies. Tybee Post Theater was built as a movie theater for the post in 1930, but they stopped screening in the middle of the 1960. Last year the place was reopened as a theatre and music venue. They wanted to celebrate the building’s history with a small film festival showing movies from the decade the Theater was opened the first time. We saw the old black and white movie ‚Mr Smith goes to Washington‘ one night and ‚Gone with the Wind‘ the other night. To celebrate even more, admission was just one dollar per film and the ushers wore costumes according to the films. We could have seen  King Kong, The Wizard of Oz and Snowwhite and the Seven Dwarfs as well, but we didn’t want to spent all sunny day inside a dark room.

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