Wahrscheinlich haben wir uns einmal zu viel über unsere Wetter-App lustig gemacht, diesmal meint sie es ernst und der Campingplatz versinkt gerade im Wasser. Seit vier Wochen zeigte die App uns für jeden Mittwoch (und auch ausschließlich für die Mittwoche) tagsüber Gewitter an, das sich im Laufe des Tages dann immer weiter nach hinten verschob, bis es schließlich einfach nicht mehr statt fand. Für den gestrigen Mittwoch lautete die Vorhersage auch wieder Gewitter mit Regen. Auch diesmal verschob es sich stündlich nach hinten. Und auch diesmal fand das Gewitter nicht hier statt. Aber dafür machte es das Wetter mit dem Regen wahr. Seit gestern Abend regnet es am Stück, zum Teil kommt es sintflutartig herunter. Das ist schon ungewöhnlich für die Insel hier, auf der laut Friseurangaben alle vier Jahreszeiten stets an einem Tag vorkommen. Die letzten drei Tage war es zwischen 20 und 22 Grad warm und trocken, wir haben schon überlegt, wohin wir die Sonnencreme verstaut haben. Und nun seit Stunden Regen, jeder Gang zum Bad wird so lange heraus gezögert, wie es geht. Wenn es dann doch pressiert, werden die kurze Hose und die Winterjacke angezogen, die erste, weil man die nackten Beine schneller wieder trocken bekommt, die zweite, weil sie auch wasserdicht ist. Der Regen kühlt auch die Temperatur ab, aber es hat immer noch für uns recht angenehme 15 Grad draußen. Es ist schließlich Anfang Februar. Die Menschen hier empfinden es allerdings als chilly.

Ein Vorteil eines längeren Aufenthaltes an einem Ort besteht auch darin, mit den residents öfter einmal ins Gespräch zu kommen und interessante Dinge über das Leben hier zu erfahren. Ein Lebens- und Arbeitsmodell stellt das being a camp host dar, das auf den öffentlichen Campingplätzen (unser gehört der Gemeinde Tybee) und auf denen in den state parks möglich ist. Man bewirbt sich dafür, stellt seine speziellen Fähigkeiten für den Job dar (z. B. amazing golf cart driving skills) und bekommt dann wahrscheinlich den Job. Dann zieht man mit seinem motor home oder caravan auf den Campingplatz, muss keine Platzmiete, Elektrizität oder Kabelfernsehgebühren zahlen, so wie wir es müssen, aber dafür 30 Stunden in der Woche auf dem Platz arbeiten. Und ich sach‘ mal, hier ist das ein ziemlich lockerer Job, die machen sich hier nicht tot. Nur wenn mal ein offizieller Mensch der Stadtverwaltung auftaucht, wird etwas konstanter durchgearbeitet. Ansonsten hat man viel Zeit für Gespräche mit den Gästen (wie sonst würden wir auch an solche Informationen kommen?) oder findet ruhige Ecken, an denen es sich ein Weilchen auf dem golf cart entspannen lässt. Okay, im Moment ist es sehr ruhig auf dem Platz, da muss man sich die Arbeit auch gut einteilen, damit sie für die vielen Personen und Stunden reicht. Im Sommer ist es hier sicherlich sehr viel anstrengender. Die meisten Menschen, die auf diese Weise hier leben, sind bereits im Ruhestand, haben ihr Haus verkauft, sich dafür die mobile Unterkunft zugelegt und können auf diese Weise die vielen Ecken der USA bereisen, die sie schon immer mal sehen wollten. Im normalen Arbeitsleben ist das Reisen für viele nicht erschwinglich. So holen sie dann alles im Alter nach. Die Rente reicht für den Lebensunterhalt, wenn man dafür mietfrei wohnen kann. Hier gibt es auch ein jüngeres Paar, die teilen sich die 30 Stunden (die gelten immer pro Stellplatz), haben aber beide auch noch einen normalen Job in den Restaurants hier im Ort. Sie wohnten bis zum letzten Sommer noch in einem Haus, sparen aber auf diese Weise die Miete ein, da sie ab Oktober für einige Jahre nur auf Reisen sein wollen. Dafür muss man halt Rücklagen bilden.

Wet, wetter, soaking wet. Rain is pouring down constantly since yesterday evening, which is quite unusual for Tybee. The hairdresser told Kay, that a typical Tybee day is said to contain all four seasons in one single day. Well, we keep ourselves busy inside the van and occasionally we have to swim to the bath house. But it’s not that bad, you just have to wear appropriate clothes. While staying here, we learnt about being a camp host. Normally already retired people, who sold their houses and bought an RV, apply for these jobs, have to work 30 hours per week and get a full hook-up site for free. For them it’s a convenient way to travel through the States without needing too much money for living.