Texas, The Lone Star State oder auch the looney state

Reisen macht schlau, wir wissen jetzt, was eine Egreniermaschine ist. Gut, dass wir nur RV-Parks auswählen, die nicht nur über vernünftige Bath Houses, sondern auch über gute Internetverbindungen verfügen. Wir durchqueren gerade Texas. Dieser Staat ist nach Alaska der zweitgrößte Flächenstaat, ungefähr doppelt so groß wie Deutschland und wir durchqueren ihn von Südosten nach Nordwesten auf der wahrscheinlich längstmöglichen Strecke, ca. 1600 km. 

 

Houston hat ein Problem -Houston has a traffic problem
 
Wir waren drei Tage in Houston und die haben da wirklich ein Problem. Noch nie haben wir während der Autofahrten solche Todesangst gehabt wie dort. Die Autofahrer fahren alle, wie sie wollen, so schnell sie wollen und sind dabei so rücksichtslos, wie es nur geht. Es ist eigentlich unbeschreibbar. Alle Regeln, die in der Fahrschule gelernt wurden, werden hier konsequent missachtet: Don’t cross the double white line! Sie fahren drüber. Obey the signs, it’s the law. Sie überschreiten jede Geschwindigkeitsbeschränkung. Die Ampeln springen auf rot, es fahren mindestens vier Wagen pro Spur drüber! Auf allen Spuren darf gleich schnell gefahren und überholt werden. Das bedeutete, dass wir von links und von rechts gleichzeitig von Trucks, besonders „klasse“, wenn es sich dabei um 18-wheelers handelt (ungefähr wie die Gigaliner, die sie bei uns auf bestimmten Strecken testen), überholt wurden und das mit ca. 115 kmh!! Vom entstehenden Sog mal gar nicht zu sprechen, vor allem, wenn man sich auf dem obersten von vier bis sechs flyovers befindet und dann abwärts in eine 70-Gradkurve fährt. Bei der Geschwindigkeit wird jede Lücke genutzt, egal, ob man dadurch jemanden schneidet, oder nicht. Wenn man das Überholen von rechts vermeiden möchte und deshalb auf der rechten Spur fährt, kommt es vor, dass diese ziemlich unvermittelt zur exit only wird. Dann die Spur zu wechseln, ist unmöglich, weil einen niemand hinein lässt. Drängelt man selbst, wird gehupt, was das Zeug hält. Auch die auffahrenden Wagen scheren auf die Hauptspur ein, ohne Rücksicht auf den nachfolgenden Verkehr, die können ja die Spur wechseln oder bremsen. Die Auffahrtspur ist auch gleichzeitig ohne Abgrenzung die Abfahrtsspur. Da aber rechts überholt werden darf, scheren die auffahrenden Autos nicht nach einem ein, wenn man selbst abfahren will, sondern überholen erst einmal. So kann man die gewünschte Abfahrt auch schon mal verpassen. Blinken ist sowieso überflüssiger Luxus, machen nur die Ausländer. Das ganze dann kombiniert mit dichtem Feierabendverkehr und einsetzender Dämmerung auf acht Spuren nebeneinander, löste bei Martina einen der schwersten Migräneanfälle seit Jahren aus, Stress pur!

 

Richtung downtown Houston, diese Verkehrslage ist nicht repräsentativ!!
 
Schön war auch die Irrfahrt, weil die Schilder in der Baustelle nicht genau platziert waren und wir unvermittelt nicht nur in die falsche Richtung fuhren, sondern auch auf einer Mautstraße gelandet waren. Auf den modernen wird nur noch das Nummernschild (das am besten auch noch irgendwo registriert ist) ausgelesen und das Geld von Konto abgebucht. Blöd, wenn man mit einem Leihwagen unterwegs ist und die Autovermietung schon angekündigt hat, den Betrag plus Bearbeitungsgebühr am Ende der Reise (wenn das Portemonnaie ganz leer ist) in bar haben zu wollen. Wir sind dann an der nächsten Möglichkeit wieder abgefahren -und landeten in der surrealen Parallelwelt unterhalb der Fahrbahn: Nach Schreck verarbeiten und Veratmen wieder hinauf auf den tollway, in die falsche Richtung fahren und Geld bezahlen, nein. Also U-Turn fahren, um auf der Gegenseite wieder herunter zu kommen, ging nicht, Straße zuende, es ging nur U-Turn oder wieder rauf auf den tollway. Also die Schleife unten drunter noch mal fahren, diesmal mit Navi. Navi sagt, am Ende bitte rechts abbiegen, aber Straße existiert nicht. Navi wieder aus, die Schleife ein drittes Mal fahren, doch rauf auf den tollway und wieder runter an der nächsten Gelegenheit. Nun hoffen wir, dass dieser Teil kostenlos war, denn wir waren nicht die einzigen, die dort unten herum irrten. 

Abgesehen davon waren wir bei der NASA und haben uns die Apollorakete und die Space Shuttles angesehen, durften das Mission Control Center von innen ansehen, haben unsere Kindererlebnisse der Mondlandung im Fernsehen aufgefrischt. Mit am beeindruckendsten waren die Erzählungen von Gene Cernan, dem letzten Mann, der auf dem Mond gewesen ist. Ansonsten glorifizieren die Amerikaner in den Ausstellungen ihre Raumfahrtvergangenheit und erwähnen mit keinem Wort, dass heutzutage von ihnen nichts Wesentliches beigesteuert wird, weil der Congress seit Jahren fast keine Gelder mehr für Raumfahrt zur Verfügung stellt.

 

Space shuttle
  
famous Apollo rocket
  
Space Lab and ISS
 
 
Mission Control Center , now retired, with red telephone
 
Wir haben das Bureau of Engraving and Printing in Fort Worth besucht und live gesehen, wie die Dollarnoten gedruckt werden. Das war schon beeindruckend und geschieht in einem hochgesicherten Komplex, in dessen Visitor Center wir nach Sicherheitskontrollen wie im Flughafen hinein kamen. Dort konnten wir eine self guided tour mit einem audio guide machen. Wir liefen in einer Galerie über den Produktionshallen entlang, bekamen den Herstellungsprozess erklärt und konnten den Druckern bei der Arbeit zuschauen und zuwinken. Dann gab es noch ein Museum, eine Einführungsfilm und natürlich einen Shop, in dem man geschredderte Banknoten oder ungeschnittene bedruckte Seiten mit je 32 Banknoten darauf kaufen konnte.

 

Central Texas
  
Northwest Texas
 Je weiter es nach Nordwesten ging, desto leerer wurde es. Die Eingänge zu den Ranches sehen wirklich so aus wie im Fernsehen, wer erinnert sich noch an die Southfork Ranch aus der Serie Dallas? Überall stehen Ölförderpumpen herum, die sind ziemlich klein. Dazwischen weiden Kühe, Longhorns, Pferde, Bisons oder einfach gar nichts. Parallel zum Highway führt die Eisenbahn. Wir haben mitgezählt: eine Lokomotive zieht 35 Waggons, meistens fahren die Züge mit zwei Loks und siebzig Waggons. Wir haben aber auch schon Züge mit drei Loks gesehen. Der Himmel ist hier sehr hoch, die Prärie ist sehr weit, die Orte reichlich öde. Der heutige Stopp in Texas ist der Ole Towne Cotton Gin RV Park in Goodlett, ein Ort im Nirgendwo. Es ist ziemlich kalt, heute Nacht wird das Thermometer unter null Grad sacken! Dabei hatten wir vor drei Tagen noch 22 Grad in der Nacht, aber dabei kann man auch nicht gut schlafen.

 

old cotton gin, now RV park
  
we are in the middle of nowhere, all alone
 Und nun die Auflösung: die Egreniermaschine heißt auf Englisch Cotton Gin. Sie trennt nach dem Ernten die Baumwolle vom Stengel und löst die Samen heraus. Das Gebäude auf dem Platz war noch bis 1974 in Betrieb. Und morgen we’re on our way to Amarillo, every night we’ve been hugging our pillows, dreaming dreams of Amarillo, where Margeritas wait for us. Shanana nana nana na …

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