Es geht doch nichts über einen anständigen Handwerker im Hause

Schon in Conway ist uns der Boden des einen Hängeschrankes abgestürzt, natürlich mitsamt Inhalt. Die zwei letzten bumper auf der Straße waren wohl zuviel. Es krachte vernehmlich und hinter uns lag alles durcheinander. Wir waren gerade auf einem Parkplatz angekommen und konnten so erst einmal notdürftig aufräumen. Glücklicherweise ist nichts von unseren Sachen kaputt gegangen.  

ganz schön plünnig angebracht
 Nachdem wir die Verleihfirma darüber in Kenntnis gesetzt hatten, sollten wir uns einen auto body shop suchen und das reparieren lassen. Inzwischen waren wir in Charleston angekommen und hatten aufgrund des sightseeing-Programms dazu nicht wirklich Zeit. Also verschoben wir es auf Savannah, da wir dort eine Woche sein würden. Insgesamt musste der Boden wieder mit zehn Winkeln und je zwei Schrauben befestigt werden. Zuhause hätten wir es schnell selbst erledigt. Aber dies ist ja ein Leihwagen. Am Montag Vormittag sind wir dann von Tybee Island herunter gefahren, um den Schrank im Campervan reparieren zu lassen. In der Rezeption des Campingplatzes gaben sie uns zwei Adressen von auto body shops, eine auf der Insel selbst und eine in Thunderbolt gleich auf dem Festland. Freddie‘ garage auf der Insel hat in dieser Thanksgivingwoche aber geschlossen, das wussten wir bereits von unserem Spaziergang am Samstag. Also nach Savannah hinein zur nächsten Adresse. East Coast Car Care macht nur Metallarbeiten, war aber sehr freundlich und hilfsbereit und schickte uns mit einer Anfahrtsskizze versehen zu Scott’s autobody, nur ein paar Ecken weiter (in amerikanischen Maßstäben). Dazu gab es noch die Hinweise auf die die Geschwindigkeit kontrollierende Polizei, damit wir nicht auch noch ein Ticket bekommen würden. Scott war ganz begeistert vom Campervan und dem Ausbau („I’m a Dodge man, you know!„), konnte aber auch nichts machen, da seiner Meinung nach hier ein carpenter von Nöten wäre. Er empfahl uns, zu Camperworld in Pooler zu fahren, da die auf RVs spezialisiert sind, nicht weit weg, just a few of miles. Also dahin, über Highways und Interstates, etliche Meilen weit, aber dort konnten sie auch nichts für uns tun, da die Werkstatt bis nach dem Wochenende ausgebucht war. Immerhin gab es dort restrooms, die wir besuchen konnten, da wir mittlerweile schon zwei Stunden oder so unterwegs waren. Sie schickten uns nach Richmond Hill zu Dick Gore’s RV Service. Auch dort waren sie wieder sehr freundlich und mitfühlend, die Frau hieß Hope (Hoffnung). Aber das bedeutete nichts, denn auch hier waren sie nicht in der Lage, kurzfristig oder auch später etwas zu tun. Sorry, ausgebucht bis Januar. Hier bekamen wir als Hinweis die Telefonnummer von Mr. Harmon, einem mobilen Mechaniker für RVs, der auf den Campground kommen würde. Es gestaltete sich wie eine moderne Schnitzeljagd, mit neuen ungefähren Ortsangaben immer weiter, wozu wir aber wirklich keine Lust hatten. Inzwischen waren wir schon mehrere Stunden unterwegs und hatten echt die Nase voll. Wir haben uns auf den Rückweg zur Insel gemacht und Kay hat unterwegs den Inhaber der Verleihfirma, Ernst, angerufen, damit der das direkt mit Mr. Harmon klärt. Hat er auch, dabei kam heraus, dass allein die Anfahrt eine Dreiviertelstunde dauern würde, alles zu bezahlende Arbeitszeit. Das gefiel ihm nicht. Nachdem Kay und Ernst mehrmals telefoniert hatten, wir waren inzwischen aus dem Stau geflüchtet, um einzukaufen, haben sie sich geeinigt, dass Kay die Reparatur vielleicht selbst vornehmen solle. Wir haben also anschließend bei Walmart Material eingekauft, Schraubendreher, Holzspachtelmasse und Winkel mit Schrauben. Nachmittags waren wir dann nach fünf Stunden und ungefähr 70 Meilen Fahrt endlich wieder auf dem Campingplatz, ziemlich erschöpft, reicher an Erfahrungen, für die Reparatur nicht viel erreicht. Fazit: alle sind freundlich und generell hilfsbereit, aber nicht in der Lage, kurzfristig etwas zu tun. Ernst meinte dazu, dass das alles sowieso nur Ausreden gewesen wären. 

Am nächsten Tag hat Kay das notwendige Präzisionswerkzeug zusammen getragen und legte los.  

nur Präzisionswerkzeug (die Bohrlöcher sind schon weiß) …
 
… und der Amboss
  Holzspachtelmasse in die ausgerissenen Bohrlöcher und mit einem der Winkel glatt gezogen, warten, bis es aushärtet. Damit man auch sehen kann, dass dabei etwas passiert, ist die Masse beim Auftragen quietschrosa. Mit der Zeit wird sie dann weiß. Die Winkel, die wir gekauft hatten, waren zu groß. Also die alten verbogenen auf dem Eisenring der Feuerstelle mit dem Beil wieder gerade gebogen. Mit dem Lineal an unserem Vergrößerungslesezeichen wurden die Abstände für die Bohrlöcher neu eingezeichnet. Wie schon gesagt, ohne Präzisionswerkzeug läuft hier gar nichts.  

Kay im Schrank
 Nach einer angemessenen Wartezeit wurde der Boden dann gemeinsam wieder eingesetzt und ta-daa

 

Schrankboden wieder da, wo er hingehört
Sieht aus wie vorher, und hat mit Wartezeiten und allem höchstens vier Stunden gedauert, weit weniger als unsere Odysee rund um Savannah.

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