Acht Tage immer in Bewegung, acht Nächte ebenso, aber da ist es mehr ein angenehmes Schaukeln in den Schlaf.
Acht Tage nur Wasser, wann immer man aus dem Fenster schaut. Manchmal überspülen die Brecher auch das Fenster. Und es wird nicht langweilig, die Wellen zu beobachten, höchstens anstrengend bei sieben Meter hohen Wellen und Wind in Orkanstärke. Ganz ohne Seekrankheit geht es nicht, aber zu viel Essen ist auch gar nicht so gesund.
Acht Tage, morgens, mittags, abends und immer zwischendurch gutes Essen immer zur Verfügung zu haben, ist Luxus. Ziemlich schnell pendelt es sich bei ausgiebigem Frühstück und vorzüglichem Abendessen ein. Mehr geht nicht und es wird anstrengend, die fortwährend Essen in sich hinein stopfenden Menschen zu sehen.
Acht Tage und Nächte Unterhaltung aller Art und nonstop, der tägliche cruise planner (Papier und digital) hilft, den Überblick zu bewahren. Am schönsten stellt sich fast die Freiheit heraus, an einigen Tagen einfach nichts davon in Anspruch zu nehmen. Vieles stellt sich als mehr oder weniger gut getarnte Verkaufsveranstaltungen heraus, worauf eine Menge Publikum sich allerdings gern einlässt, Hauptsache, es gibt genügend free raffle tickets (Verlosungen mit Lösen für umsonst). Allerdings gibt es auch ein sehr hochwertiges Showprogramm. So haben wir zwei Musicals gesehen, u.a. We will Rock You, erstklassiges Varieté, Livebands und virtual concerts. Wir haben Aquarellmalstunden und Kunstausstellungen besucht, die Bücherei genutzt, an einer Kunstauktion teilgenommen (aber nichts ersteigert, die Bilder, die unser Interesse weckten, lagen leider weit über unserem Budget).
Das Schiff selbst, zur Zeit das größte Kreuzfahrtschiff der Welt mit 4500 Passagieren und 1600 Menschen, die sich, stets freundlich, Tag und Nacht darum kümmern, dass es ersteren an gar nichts fehlt, ist wirklich überwältigend groß. Gleichzeitig fühlt man sich selten innerhalb dieser Größe verloren, es sei denn, man guckt aus dem Fenster auf Deck 14 und sieht weit (wirklich weit) unter sich die Schaumwellen auf dem Wasser. Architektonisch ist es gut gelöst. Außer im Theater im Bug und der Multifunktionshalle im Heck, die beide über drei/ vier Stockwerke gehen, sind alle anderen Areale so gestaltet, dass man immer nur kleine Teile des Ganzen sehen kann und sich nie verloren vorkommt. In unserem asiatischen Lieblingsrestaurant (weil der Service klasse ist), das bestimmt 500 Menschen fasst, saßen wir, abgeschirmt durch bodenlange Vorhänge nur mit knapp 16 anderen Personen zusammen. Es war leise.
Es gibt noch vier weitere Restaurants, die im Preis enthalten sind, dazu etliche Möglichkeiten, Snacks zu bekommen. Und dann noch vier oder fünf weitere Restaurants, in denen man bezahlen muss; Verkaufsargument für den Erwerb von zusätzlichen meal packages ist, dass einem bei acht Abendessen bei nur vier Restaurant-Auswahlmöglichkeiten doch langweilig werden würde. Quatsch! Alles ist so lecker, dass wir gut noch öfter Essen gehen könnten.
Und dann die Fahrt selbst, die eigentlich über die eigenen Vorstellungskräfte geht. Gut 5000 km sind zu fahren und das Schiff pflügt sich nonstop dadurch. Wir haben rund um uns herum nur Wasser und dazu noch 4,4 km oder auch mal mehr Wasser unter uns. Im der Mitte des Atlantiks gucken wir uns per Internet-Livestream das Endspiel zwischen Neuseeland und Australien im Rugby-Worldcup aus Twickenham an. Neuseeland hat übrigens überragend gewonnen. Unvollstellbare Mengen an Nahrungsmitteln sind gebunkert, eine logistische Meisterleistung, diese zuzubereiten. In den Restaurants wird jedes Gericht nach der Bestellung frisch zubereitet. Und das Wetter zwischendurch verlangt dem Servicepersonal artistische Meisterleistungen ab. Alle sind immer freundlich, bewundernswert. Und dann die ganz besonderen, dieses Schiff auszeichnenden Attraktionen, z.B. Autoscooter fahren, Wellenreiten, Kletterwand, eine Aussichtsgondel, die sich noch einmal 70 Meter über das Schiff erhebt, überall lange Warteschlangen, wenn das Wetter die Nutzung zulässt. Alles nicht in Anspruch genommen, aber dafür zweimal beim sky diving das Gefühl erlebt, fliegen zu können, absolut großartig! ImLuftstrom bei ca. 170 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit zu fliegen, ein echtes Highlight!!
Und dann schließlich die Einfahrt nach New York, unglaublich. Morgens um 3:40 Uhr Party an Deck mit Champagner, Flaggen und Fähnchen, Musiktitel , die ausschließlich New York bzw. USA als Thema haben. Die Südspitze Manhattams leuchtet und funkelt mit unserem Schiff um die Wette, vom Hubschrauber aus wird das Einlaufen des Schiffes gefilmt. Und damit alle einen guten Blick auf die Freiheitsstatue haben können, fährt der Kapitän auf Miss Liberty zu, dreht dann einmal um die eigene Achse und „parkt“ anschließend rückwärts ein! Dann noch ein bisschen Schlaf, ein ausgiebiges Frühstück und Warten auf das Ausschiffen und Einreisen, letzteres verzögert sich wegen der Einreisebehörden um drei Stunden, bis wir vom Schiff kommen. Aber wir haben ja viel Zeit, ein halbes Jahr.